„Selber behindert!?“ Thementisch in der Stadtbibliothek in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe

Mitteilung vom 08.05.2019

„Selber behindert!?“ – mit diesem Motto aus der Sicht der unmittelbar Betroffenen geben die Lebenshilfe Neumarkt e. V. und die Stadtbibliothek dem großen Thema Inklusion im Monat Mai gemeinsam neuen Schwung. Die Bibliothek leistet dabei einen dreifachen Beitrag, eine Lesung mit Doro May aus ihrem Buch „Das Leben ist schön, von einfach war nicht die Rede“ (am 5. Mai um 19 Uhr, Eintritt frei); im Rahmen der beliebten „Geschichtenwelt“ gemeinsames Basteln, Spielen und Vorlesen (am 22.5. von 15.30 – ca. 17 Uhr); dazu der aktuelle Thementisch mit Medien, die die Inklusion von Behinderten aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchten.

Dort liegt natürlich auch der bewegende Erfahrungsbericht von Doro May aus, in dem die Mutter der schwerstbehinderten, inzwischen 28-jährigen Tochter Tina auf die vergangenen acht Jahre zurückblickt. Leben im Wohnheim, Rolle der Eltern und Geschwister, Sexualität, Urlaub – alles das spricht sie an und plädiert eindringlich dafür, das Leben mit einem behinderten Kind als Bereicherung anzusehen, auch wenn man tagtäglich vor Katastrophen nicht geschützt ist.  

In „Mia – meine ganz besondere Freundin“ (von dem Autorenduo Dagmar Eiken-Lüchau und Tanja Husmann, geeignet für Kinder ab drei Jahre) handelt von einer ganz besonderen Freundschaft: Lotte mag Mia sehr, und Mia mag Lotte, kann das aber nicht zeigen, denn Mia ist Autistin. In Gesprächen mit Erwachsenen lernen Lotte und ihre Kindergarten-Spielkameraden, dass Mias distanziertes Verhalten kein böser Wille ist, nehmen selbst kleinste Zeichen einer Annäherung bewusst wahr und akzeptieren Mia so, wie sie ist.

Das Bilderbuch „Die  Geschichte von Prinz Seltsam“ (von Silke Schnee und Heike Sistig, ab drei Jahre) weckt das Verständnis für Kinder mit Down-Syndrom und andere Entwicklungsstörungen. König und Königin freuen sich über ihr drittes Kind, das aber doch etwas seltsam ist. Als jedoch der kleine Prinz auf seine Weise den Angriff des Schwarzen Ritters abwehrt und damit das ganze Volk rettet, kommt die Erkenntnis: Auch Kinder, die anders sind, gehören dazu und sind ein Gewinn für unser aller Leben.

In „Paula und die Zauberschuhe“ (von Alexandra Haag und Carolina Moreno, ab 5 Jahre) erzählt eine an Zerebralparese leidende Sechsjährige von ihrem Alltag in Familie und Kindergarten. Sie ist selbstbewusst und meist gut gelaunt, manchmal aber auch „sauer-traurig-wütend-traurig“. Ein schönes Buch, das das Verständnis zwischen Kindern mit und ohne Behinderung fördert.

Unter dem Titel „Einander helfen: Der Weg zur inklusiven Lernkultur“ stellt André Frank Zimpel das Normalisierungsprinzip „Starke helfen Schwachen“ unseres Bildungssystems infrage, denn es fördere die Tendenz zum Mittelmaß. Stattdessen tritt er für eine inklusive Lernkultur ein, in der allen geholfen wird und alle helfen.

„Besonders normal“ von Minka Wolters schildert den anstrengenden Alltag von Behinderten oder mit Behinderten. Pädagogen aus Kindergarten und Schule, Therapeuten, Familien mit einem behinderten Kind und Erwachsene mit Behinderung sprechen ihre Probleme von Schwierigkeiten beim Lernen und Lehren bis zum ermüdenden Kampf mit Behörden an.

„Was soll aus diesem Kind bloß werden?“, fragt Holm Schneider und zeigt anhand von Lebensgeschichten und Erfahrungen Erwachsener mit Down-Syndrom, wie es jungen Leuten gelang, einen Platz in der Arbeitswelt zu finden und dort einen anerkannten Beitrag zu leisten. Kindergartenhelferin, Küchenhilfe, Hauswart oder sogar Schauspieler machen nicht nur Betroffenen, sondern auch Angehörigen, Lehrern und Arbeitgebern Mut, neue Wege zu gehen.  

„Lotta Schultüte“ von Sandra Roth ist ein Erfahrungsbericht aus der Sicht von Eltern. Die Autorin beschreibt sehr lebendig, wie schwierig es war, für ihre mehrfach behinderte Tochter eine passende Schule zu finden. Schon der vorangegangene Titel „Lotta Wundertüte“ über die drei erste Lebensjahre war sehr erfolgreich. 

Der Roman „Wie ich dich sehe“ von Eric Lindström gewährt Einblicke in die Erlebniswelt einer jugendlichen Blinden, die um einen normalen Alltag kämpft. Ihr Credo: „Ich bin wie du mit geschlossenen Augen, nur schlauer“. Interessant für Kinder ab 14, aber auch Erwachsene.

Die DVD „Simpel“ (Regie Markus Goller) beginnt sehr entspannt mit dem Brüderpaar Ben und Barnabas (genannt Simpel), der 22 Jahre alt, aber geistig auf dem Stand eines Kindes ist. Dramatisch wird es, als unerwartet ihre Mutter stirbt und Simpel in ein Heim kommen soll.

 „Die Bunte Bande – das gestohlene Fahrrad“ von Corinna Fuchs ist ein inklusives Kinderbuch für Erstleser von sieben bis acht Jahren auch in Braille-Schrift und leichter Sprache. Ben wurde sein Fahrrad gestohlen, und seine Familie hat kein Geld, ihm ein neues zu kaufen. Wie kann die Bunte Bande helfen? Die muntere Schar unterschiedlich behinderter Kinder hat schon durch den vorher erschienenen Sammelband „Die Bunte Bande – gemeinsam sind wir stark“ viele Fans gewonnen. 

In der Graphic Novel „Spektralfarben“ lässt Daniela Schreiter Menschen mit Autismus zu Wort kommen. Eindrucksvoll erzählen sie von ihren Ängsten, Sorgen, Freuden und dem Gefühl, von der Umgebung nicht verstanden zu werden. Auch hier liegen zwei vorangegangene Bände („Schattenspringer“) vor.

Ein packender Krimi à la Hitchcock ausgerechnet mit einem Behinderten im Mittelpunkt? Das ist Christine Brand mit dem Titel „Blind“ gelungen. Der Held der Geschichte wird unfreiwillig Ohrenzeuge eines Verbrechens, hört einen Schrei, ein Rumpeln und ein schleifendes Geräusch. Weil die Polizei ihm nicht glaubt, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln.

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